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Tagliatelle al ragù

Klassische Tagliatelle al ragù nach bolognese Tradition – das Original mit Eiernudeln statt Spaghetti.

Nudeln.net Redaktion · 11.09.2026
4
Portionen
20 min
Vorbereitung
150 min
Kochzeit
170 min
Gesamt
mittel
Level

Tagliatelle al ragù ist das wohl berühmteste Nudelgericht der Welt – und gleichzeitig eines der meistmissverstandenen. Während international „Spaghetti Bolognese" als Standard gilt, ist die dokumentierte Originalversion aus Bologna seit 1982 beim Handels- und Industriekammern der Emilia-Romagna eingetragen – mit Tagliatelle, nicht Spaghetti.

In 9 Schritten

Zubereitung


  1. Zwiebel, Karotte und Staudensellerie sehr fein würfeln. Butter und Olivenöl in einem schweren Schmortopf (z. B. Gusseisen) bei mittlerer Hitze erwärmen, dann das Soffritto darin 8–10 Min. sanft anschwitzen, bis das Gemüse weich und leicht goldfarben ist.
  2. Rinderhack und Schweinehack hinzufügen und bei höherer Hitze unter ständigem Rühren krümelig anbraten, bis das Fleisch vollständig gebräunt ist und keine Flüssigkeit mehr im Topf steht – ca. 8 Min.
  3. Weißwein angießen und bei offener Hitze vollständig einkochen lassen, bis kein Alkoholgeruch mehr wahrnehmbar ist – ca. 5 Min.
  4. Milch hinzufügen und ebenfalls vollständig einkochen lassen – ca. 5 Min. Mit einer Prise Muskatnuss abschmecken.
  5. Tomatenmark einrühren und 2 Min. mitrösten. Anschließend die stückigen Tomaten und die Rinderbrühe hinzufügen, gut verrühren und zum Köcheln bringen.
  6. Hitze auf die niedrigste Stufe reduzieren und das Ragù ohne Deckel mindestens 2 Stunden, idealerweise 2,5 Stunden sanft köcheln lassen. Zwischendurch gelegentlich rühren und bei Bedarf einen Schuss Brühe nachgießen. Das Ragù ist fertig, wenn es cremig-gebunden und tiefrötlich-braun ist.
  7. Gegen Ende der Garzeit einen großen Topf Wasser mit reichlich Salz (ca. 10 g pro Liter) zum Kochen bringen. Tagliatelle darin nach Packungsangabe al dente kochen – bei frischen Nudeln nur 2–3 Min.
  8. Eine Tasse Pastakochwasser abschöpfen. Tagliatelle abgießen und direkt in den Ragù-Topf geben. Bei mittlerer Hitze unter Zugabe von 3–4 EL Pastakochwasser 1–2 Min. schwenken, bis Pasta und Sauce eine cremige Einheit bilden.
  9. Auf vorgewärmten Tellern anrichten und großzügig mit frisch geriebenem Parmigiano Reggiano bestreuen. Sofort servieren.

Hintergründe & Tipps


Herkunft und die echte Registrierung

Die Handels- und Industriekammer Bologna hinterlegte 1982 auf Initiative des Istituto di Storia dell'Alimentazione das Originalrezept des Ragù alla Bolognese – zusammen mit der korrekten Nudelform: Tagliatelle all'uovo, frisch gezogen, mit einer Breite von exakt 8 mm im gekochten Zustand (entsprechend 1/12.270 der Höhe des Turms Asinelli). Diese historische Festlegung ist kein kulinarischer Snobismus, sondern hat einen technischen Grund: Das dichte, fettige Ragù haftet an den rauen, porösen Oberflächen von Eiernudeln deutlich besser als an glatten Hartweizenspaghetti. Spaghetti schlucken die Sauce schlicht nicht auf die gleiche Weise.

Die deutsche Alltagsfassung

In Deutschland hat sich „Spaghetti Bolognese" seit den 1970er-Jahren als feste Größe in Kantinen, Familienhaushalten und Restaurantkarten etabliert. Diese Version arbeitet häufig mit reinem Rinderhack, Tomatenmark aus der Tube und wird deutlich kürzer geschmort als das Original. Das Ergebnis ist ein anderes Gericht – nicht schlechter, aber eben nicht das Ragù alla Bolognese der Emilia-Romagna. Wer die deutsche Fassung schätzt, kann sie ruhig lieben; wer das Original nachkochen möchte, beginnt hier.

Zutaten-Wissen: Soffritto, Fleisch und Milch

Das Fundament eines echten Ragù ist das Soffritto – das sanfte Anschwitzen von Zwiebel, Karotte und Sellerie in Butter (nicht Öl). Rindfleisch und Schweinefleisch im Verhältnis 2:1 geben Tiefe ohne Einseitigkeit. Die Milch, die viele Rezepte weglassen, bindet Fettsäuren und rundet die Säure des Weins ab – ein wichtiger Schritt, den auch Marcella Hazan stets betonte. Der Weißwein (in manchen Regionen auch Rotwein) wird vollständig eingekocht, bevor die Tomaten hinzukommen – niemals gleichzeitig mit der Flüssigkeit ablöschen. Wer tiefer in die Soßenkunde einsteigen möchte, findet auf unserem Partnerportal saucen.net eine ausführliche Analyse des Ragù alla Bolognese mit regionalen Varianten.

Serviervorschläge und Variationen

Tagliatelle al ragù braucht keinen Beilagensalat, keine Beilagensauce – die Pasta selbst ist das Gericht. Geriebener Parmigiano Reggiano (kein Grana Padano, kein Pecorino) gehört auf den Teller, und zwar großzügig. Wer frische Tagliatelle selbst herstellt, sollte Tipo-00-Mehl mit Eigelb-reichen Eiern verwenden; getrocknete Tagliatelle aus dem Handel sind akzeptabel, erreichen aber nicht dieselbe Saucenbindung. Reste des Ragù lassen sich hervorragend für Lasagne alla Bolognese weiterverwenden.

Häufige Fehler

Der größte Fehler ist Ungeduld: Ein Ragù, das weniger als 2 Stunden köchelt, ist kein Ragù. Der zweite Fehler ist zu viel Tomate – die Emilianische Version ist fleischdominant, Tomaten spielen eine Nebenrolle. Dritter Klassiker: die Pasta im Ragù nicht kurz schwenken. Die Tagliatelle müssen in der Pfanne mit etwas Pastakochwasser und Ragù verbunden werden – nur so entsteht die cremige Einheit, kein Pasta-mit-Sauce-daneben.

Nährwerte pro Portion (Basis: 4 P)


Energie720 kcal
Protein38 g
Kohlenhydrate68 g
Fett28 g
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