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Glossar

Trocknungstemperatur — Definition und Bedeutung bei Teigwaren

Definition: Was ist die Trocknungstemperatur?

Die Trocknungstemperatur ist der thermische Sollwert innerhalb eines gesteuerten Trocknungsprozesses, bei dem frisch geformte Teigwaren – etwa Spaghetti, Penne oder Bandnudeln – von einem Ausgangsfeuchtegehalt von typischerweise 28–32 % auf einen gesetzlich vorgeschriebenen Endfeuchtegehalt von maximal 12,5 % (gemäß der europäischen Handelsverkehrsvorschriften für Teigwaren) abgetrocknet werden. Der Begriff ist dem übergeordneten Bereich der Lebensmittelverfahrenstechnik zuzuordnen und wird in der industriellen Teigwarenproduktion konsequent von klimatischen Umgebungstemperaturen abgegrenzt.

Die Trocknungstemperatur wird nicht als einheitlicher Fixwert gefahren, sondern variiert in zeitlich aufeinanderfolgenden Phasen: Vortrocknung, Haupttrocknung und Nachtrocknung. Jede Phase verfolgt ein eigenes Feuchte- und Temperaturniveau.

Temperaturbereiche und Klassifizierung

In der Fachliteratur und Praxis hat sich eine Einteilung nach Temperaturklassen etabliert:

KlasseTemperaturbereichTypischer Einsatz
Niedrigtemperaturtrocknung (LT)40–60 °CTraditionelle Verfahren, handwerkliche Produktion
Hochtemperaturtrocknung (HT)60–85 °CIndustriestandard für Hartweizengriessware
Ultrahochtemperaturtrocknung (UHT)85–100 °C und höherSchnelldurchlaufanlagen, erhöhte mikrobiologische Sicherheit

Höhere Trocknungstemperaturen verkürzen die Prozesszeit erheblich – von mehreren Stunden bei LT auf unter zwei Stunden bei UHT-Verfahren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Prozesssteuerung, da zu abrupte oder zu hohe Temperaturspitzen zu Rissen in der Teigwarenhülle (Sprungbildung) führen können.

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Die Trocknungstemperatur ist von der Trocknungszeit und der relativen Luftfeuchte strikt zu unterscheiden, auch wenn alle drei Parameter gemeinsam das Trocknungsklima definieren. Während die Trocknungstemperatur angibt, wie warm die Trocknungsluft ist, beschreibt die relative Luftfeuchte, wie viel Wasser die Luft noch aufnehmen kann – und damit die Triebkraft des Feuchtetransports aus dem Teig. Ein hoher Temperaturwert allein ist kein Qualitätsmerkmal; erst das abgestimmte Zusammenspiel beider Größen gewährleistet ein gleichmäßiges, rissfreies Produkt.

Davon zu unterscheiden ist auch die Kerntemperatur der Teigware, die – besonders bei UHT-Verfahren – aus Sicherheitsgründen gemessen wird, aber nicht mit der Lufttemperatur der Anlage gleichzusetzen ist.

Worauf Sie bei der Prozessauslegung achten sollten

Wählen Sie die Trocknungstemperatur stets produktspezifisch: Eierteigwaren reagieren empfindlicher auf hohe Temperaturen als reine Hartweizenwaren, da hitzebedingte Proteindenaturierung die Farbe gelblich-bräunlich verschieben kann. Kontrollieren Sie zusätzlich zur Temperatur kontinuierlich die relative Luftfeuchte und den Wasserdampfpartialdruck in der Anlage. Bei Neuanlagen oder Rezepturwechseln empfiehlt sich eine schrittweise Validierung der Trocknungskurve, bevor Volumenproduktion gestartet wird. Für sicherheitsrelevante Aussagen zu mikrobiologischen Grenzwerten ziehen Sie die geltenden EU-Lebensmittelhygieneverordnungen sowie den Rat spezialisierter Verfahrenstechniker hinzu.

11.09.2026 · Nudeln.net Redaktion